«Es gibt auch für mich Momente, in denen ich aufgeben möchte. Aber genau dann versuche ich mir wieder bewusst zu machen, dass solche Tiefpunkte das Folgende nur umso schöner machen. Und damit klappt es ganz gut bis jetzt.»
An einem Mittwochabend im Mai besuchen wir Ben das erste Mal an der Eisbachwelle in München. Ben Neumann ist 17 Jahre alt. Er trägt bei unserem Treffen einen schwarzen Neoprenanzug und einen gelben Helm. Einzig die drei Punkte auf Bens Helm verraten uns, dass er blind ist.




Ben stand das erste Mal an seinem 12. Geburtstag auf einem Surfbrett: Jemand hatte ihm einen Gutschein zu einem Surf-Schnupperkurs in einem Freizeitzentrum geschenkt. Seitdem ist das Surfen ein fester und unentbehrlicher Bestandteil in seinem Alltag geworden. Ben surft mehrmals die Woche – so oft der Schulunterricht es zulässt – auf stehenden Wellen in Regensburg und München und trainiert zuhause in Garmisch-Patenkirchen in jeder freien Minute auf dem Surf-Skateboard, um seine Balance, Ausdauer und Stabilität zu verbessern.
An die konkreten Gesichter und optischen Bilder, die Ben bis zu seiner vollständigen Erblindung im Alter von sieben Jahren gesammelt hat, kann er sich kaum noch erinnern. Viel mehr sind die Erinnerungen seiner frühen Kindheit für ihn auf dieselbe Art eingeprägt, wie er die Umgebung heute in seiner ganz eigenen Sinneswahrnehmung erfasst.
Auch das Element Wasser nimmt Ben anders war. Er muss es riechen, schmecken und hören, um sich an der Eisbachwelle oder auch am offenen Meer zu orientieren. Er fühlt und vertraut.
Vertrauen muss Ben auch seinem Vater: Für den Ein- und Ausstieg in das Wasser an der Eisbachwelle und das Timing der Welle auf dem Meer, ist sein Vater die ganze Zeit per Funk über den gelben Helm, an dem ein kleiner Funksender befestigt ist, verbunden.
Die beiden bilden ein eingespieltes Team, Peter Neumann coacht und trainiert Ben seit Beginn seiner Surfkarriere. Man merkt den beiden an, wie eng und vertraut sie als Familie funktionieren. Ben bekommt von seinem Vater auch Unterstützung bei dem großen Traum, an den Paralympischen Spielen teilzunehmen.


Der Sport Adaptive Surfing soll 2028 endlich Bestandteil der Paralympischen Spiele in Los Angeles werden. Auch wenn der Gedanke laut Ben in seinem Hinterkopf präsent ist, ändert das erst einmal nichts an seiner Leidenschaft für den Sport. Er wird die nächsten Jahre noch zielgerichteter und strukturierter an seinem Training arbeiten. Prämisse dabei ist aber nach wie vor die Freude am Sport, denn «am Ende wird man nur erfolgreich in Dingen, an denen man einfach Spaß hat.»
Produziert von
Lia Bardehle
Kilian Glassner
Fabian Gruber
Anna Meck
Adrian Strohmer